Gelegenheiten
- 17. Mai
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Gestern war dieses Licht im Wohnzimmer. Kurz vor dem Gewitter, diese besondere Qualität – warm, fast schwebend. Ich fotografiere gerne und wollte den Moment festhalten.
Aber der Wäscheständer stand noch auf dem Balkon. Auf dem Esstisch lag die Ablage von vorgestern, liegen gelassen, weil zwischendurch etwas anderes wichtiger war. Wie ich die Kamera auch hielt – irgendetwas Störendes war immer im Bild.
Ich räumte die Sachen beiseite, aus dem Bild. Und als ich fertig war, war das Licht verschwunden. Ich stand da mit der Kamera in der Hand und dachte nur - das kenne ich doch. Ein knapp daneben, die Gelegenheit um einen kurzen Moment verpasst, schon wieder. Ob dieses Licht nochmal so reinkommt? Wahrscheinlich ja. Aber das ist nicht der Punkt.
Die Frage ist eine andere: Wie viele Momente passieren in dieser Art – und wir sind nicht bereit? Nicht weil wir unaufmerksam sind. Sondern weil erst noch etwas erledigt werden muss, bevor etwas geschehen kann. Das gilt für den spontanen Abend, zu dem man nicht mehr losgeht. Der sich zu etwas Besonderem entwickelt hätte. Für das Gespräch, für das gerade kein Raum da ist, für die Idee, die keinen freien Tisch findet.
Es geht nicht um Perfektion oder aufgeräumt sein wie im Katalog. Es geht um etwas Einfacheres: Weniger Hintergrundrauschen. Mehr Bereitschaft. Mehr Offenheit.
Die Gelegenheiten sind meistens da – die Frage ist, ob wir es auch sind.
Heute ist es wieder sonnig. Der Wäscheständer ist weggeräumt, auf dem Tisch liegt nur die aktuelle Arbeit.
Bin ich besser vorbereitet? Ja.

