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Zwischen nicht-mehr und noch-nicht.

  • 16. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Es gibt Phasen, in denen sich etwas spürbar verschiebt – aber noch nichts klar wird. Etwas stimmt nicht mehr ganz. Aber es ist auch nicht greifbar genug, um es zu benennen. Und dann beginnt dieses leise Kreisen. Kein abruptes Ereignis, meist ein fließender, kaum merklicher Übergang. Man kommt gedanklich immer wieder auf dasselbe Thema zurück. Geht von Raum zu Raum. Von der Küche ins Wohnzimmer und zurück. Dreht Schleifen, immer wieder, vergisst was man in einem der Räume wollte und landet mit der dreckigen Tasse vor dem Wäscheständer. Man spricht darüber. Fragt andere wiederholt um Rat – ganz unterschiedliche Menschen, hat das Bedürfnis, es zu zerreden – immer und immer wieder. Fast so, als würde etwas leises in einem hoffen, dass bei Runde 27 plötzlich eine neue Lösung sichtbar wird. Etwas, das man vorher übersehen haben könnte. Und gleichzeitig wird es enger, dichter, anstrengender – kaum wahrnehmbar im Prozess, bis es sich schwer und träge anfühlt. Vielleicht liegt genau hier der leise Irrtum: Dass mehr Denken zu mehr Klarheit führt. Dass man nur lange genug hinschauen muss, bis sich etwas löst. Doch das Kreisen ist selten ein Zeichen dafür, dass zu wenig gedacht wurde. Oft ist es eher ein Zeichen dafür, dass an der falschen Stelle gesucht wird.

Der Moment, in dem sich etwas verändert, ist oft kein aktiver. Es ist ein stiller, fast unscheinbarer Moment. Einen Schritt heraus. Den Blick weiten, und dann zurück ins Hier und Jetzt. Das Thema einmal ganz bewusst, mit voller Präsenz anschauen, ohne Meinungen der anderen. Und dann: es liegen lassen. Nicht, weil es egal ist. Sondern weil es jetzt, in diesem Moment, noch nicht gelöst werden will. Wenn das gelingt, passiert etwas sehr Einfaches: Der Druck lässt nach. Gedanken sortieren sich nicht durch weiteres Drehen, sondern weil sie aufhören, sich zu bewegen.

Darauf reagiert der Körper oft schneller als der Kopf. Menschen entspannen sich – sichtbar. Sie atmen tiefer, werden weicher. Hören auf, sich innerlich krampfhaft festzuhalten. Genau dort beginnt etwas anderes zu arbeiten. Weder bewusst gesteuert noch erzwungen –  es passiert im Hintergrund. Von selbst.

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